Flashlight #2 - Zu Gast Priavte Esports

INTRO

Hallo Martin! Die meisten werden euch vorrangig aus der Liga der Tourenwagen, der TWC bei virtualracing.org, kennen. Bitte stell uns doch mal euer Team etwas genauer vor: Seit wann gibt es euch und wer gehört zu eurem Team?

(Martin): Hallo Guido,

begonnen hat alles bei einer Hot-Lap-Challenge bei uns in Wien. Kurz Darauf versuchten wir uns schon in unserem ersten 24 h Rennen auf Le Mans. Zu dritt merkten wir schnell, das wir mit dem Porsche 911 RSR GTE an die Grenzen unserer jungen Fähigkeiten kamen. Zu dem Zeitpunkt fehlte und noch das benötigte Equipment, einige von uns mussten für die ersten Rennen sogar auf kreative Möglichkeiten zurückgreifen. So trainierte zum Beispiel Daniel noch auf der XBOX in Monza, weil es dort Le Mans noch nicht gab. Ab diesen Rennen war es um uns geschehen und Simracing war aus unseren Leben nicht mehr wegzudenken. Mit der Zeit konnten wir unsere Fähigkeiten in den verschiedensten Serien von Simracing System verbessern und wurden dann schon bald auf virtualracing.org aufmerksam. Anfangs fuhren Martin und Sascha in der VRPLM mit dem Porsche 91 RSR, nach und nach sind dann die anderen dazugestoßen, und wir bestritten unser erstes Rennen der VR24H mit dem Ford Focus, damals noch unter Road Runner Simracing Team. Über unsere Kooperation mit A1 kamen wir dann zu Private Esports.

Ihr konntet die Teamwertung, nach den Plätzen 2 & 3 in der Premierensaison,  nun im zweiten Anlauf für euch entscheiden. Was habt ihr im Vergleich zur ersten Auflage besser gemacht um diesmal ganz oben auf dem „Stockerl“ zu stehen?

In der ersten Saison hat es uns viele Punkte gekostet, dass wir auf 2 Teams aufgeteilt waren. Es war natürlich schön zu sehen, dass wir mit beiden Teams aufs Stockerl kamen, aber durch Terminkonflikte ist es auch mal vorgekommen, dass nur ein Fahrer pro Team anwesend sein konnte. Das hat natürlich viele Punkte gekostet. In unserer zweiten Saison sind wir dann mit 3 Fahrern (Daniel, Sascha und Patrick) in nur einem Team angetreten.

Die TWC zeichnet sich durch einen Streckenkalender aus, welcher bewusst auf die überall genutzten traditionellen Klassiker verzichtet und frischen Wind mit Strecken wie dem Salzburgring oder Magna Steyr reinbringt. Seht ihr das auch positiv und welches Rennen würdet ihr als euer Saisonhighlight einstufen?

Es ist schön nicht immer auf den gleichen Strecken Rennen zu bestreiten und kurvenreiche Strecken sind mit den TWC Fahrzeugen doch deutlich spaßiger zu fahren, als Strecken mit vielen langgezogenen schnellen Kurven. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass die Strecken breit genug für faire Zweikämpfe sind.

Im Nachgang des Saisonfinales der TWC gab es kritische Stimmen seitens der Veranstalter und eine Saison 3 ist Stand jetzt kein Selbstläufer. Vor allem die „herzhafte Zweikampfführung“ einiger Teilnehmer wurde immer wieder im Saisonverlauf kritisch gesehen und am Ende fiel leider auch die Belohnung in Form eines Nachtrennevents in Macau ins Wasser. Habt ihr euch auf das Rennen in der Glücksspieloase Macau gefreut und würdet ihr dann auch bei einer potentiellen 3. Saison der TWC wieder an den Start gehen?

Die kritischen Stimmen seitens des Veranstalters kann ich nicht ganz nachvollziehen. Der Veranstalter sollte aus meiner Sicht lediglich die Möglichkeit bieten, dass sich benachteiligte Fahrer wehren können. Dies wird auch angeboten. Was ich aber noch viel weniger einsehe sind böse Stimmen im Fahrerfeld die im Forum niedergeschrieben werden, anstatt sachlich über einen Protest die Sachlage bewerten zu lassen. Wenn ich lese, dass sich eine Person X im Forum extrem über das Fahrverhalten eines anderen oder mehreren Fahrern aufregt, aber zugleich kein Protest eingereicht wird könnte ich explodieren. Das bringt nichts außer einer schlechten Stimmung im gesamten Fahrerfeld.

Sollte es eine 3. Saison geben werden wir auch dort vertreten sein. Daniel hat mir schon zugesagt wieder dabei sein zu möchten.

Mit Leon Harhoff gibt es einen dominanten „König der Frontkratzer“. Nach dem Gewinn der Auftaktsaison konnte er seinen Fahrertitel erfolgreich verteidigen. Ihr habt es ihm aber nicht leicht gemacht und der Rückstand in der Gesamtwertung konnte in der zweiten Saison auf die Hälfte reduziert werden. Was macht Leon aus eurer Sicht ein kleines bisschen besser und mit welchen Zielen würdet ihr in eine potentielle Saison 3 gehen?

Leon ist einfach ein unglaublich guter Fahrer. Da er letztes Jahr noch für unser Team angetreten ist haben wir auch neben der TWC sehr engen Kontakt und Informationsaustausch. Ich denke, dass seine jahrelange Erfahrung im realen Motorsport mit seinem frontgetriebenen Fahrzeug hilft.
Ich persönlich habe fast nur die Teamwertung während der Saison im Auge. Unseren Fahrern der einzelnen Rennserien geht es da sicher anders und sie versuchen so weit wie möglich vorne zu landen. Leon ist für uns alle aber noch immer wie ein Teil des Teams und keiner wird sich übermäßig ärgern als zweiter in der Fahrerwertung hinter Leon zu landen. 😊

Auch in der ersten Saison der VR24H Langstreckenmeisterschaft seid ihr mit einem TCR am Start gewesen und konntet am Ende Platz 7 in eurer Klasse einfahren. Was reizt euch an den frontgetriebenen Tourenwagen und was waren die Argumente für das gewählte Fahrzeugmodell?

Für die TWC Klasse haben wir uns entschieden, weil wir vom ersten Testrennen an eher schnell fahren konnten. Außerdem hat uns das Fahrverhalten gefallen und wir wollten in unserer 1. Saison sicher Runden abspulen können ohne uns oft raus zu drehen. Den Ford habe ich meinen Teamkollegen aufgezwungen, da er zum Anmeldezeitpunkt das einzige Fahrzeug war, bei dem man die Scheiben „bekleben“ konnte. 😀


Eure Autos sind in einem schwarz-roten Grundschema koloriert. Gibt es dafür eine spezielle Begründung?

Ja. Das Farbschema und das Muster kommt direkt von Private Esports. Wir, das Simracing Team sind nur ein Teil dieser Multi-Gaming-Organisation. Auch unsere Teamtrikots haben dieses Muster. Bevor wir zu Private Esports gegangen sind hatten wir aber schon eine schwarz-rote Lackierung (VRL24H Dubai).


In der VR24H sind die TCR nach Saison 1 dem Rotstift zum Opfer gefallen und ihr habt euch für den Münchner Rennboliden mit Namen „M4“ entschieden. Hättet ihr die TCR gern behalten und wie zufrieden seid ihr nun nach dem ersten Lauf mit eurem „Arbeitsgerät“?

Wir hatte während der ersten Saison schon Überlegungen angestellt für die neue Saison in die GT3 Klasse zu wechseln. Nicht jeder von uns war mit dem Fahrverhalten vom TCR begeistert. Das ist einfach Geschmackssache. Nach einigen Versuchen in der VRGTC haben wir uns aber wieder gegen die GT3 Klasse entschieden. Hier hätten wir einen weit höheren Zeitaufwand für die Setup Findung benötigt, als wir bereit gewesen wären diese Zeit dafür zu investieren.

Es wäre damit so oder so die GT4 Klasse geworden.
Mit dem M4 sind wir nach dem ersten Lauf sehr zufrieden. Wie haben viel Zeit investiert um alle Fahrzeuge ausgiebig zu testen und vergleichen.

 

In der VRLN geht ihr den TCR fremd. Neben einem M4 GT4 habt ihr auch zwei historische Tourenwagen über die Grüne Hölle gejagt. Üblicherweise sind die GT3 immer die beliebteste Fahrzeugklasse. Warum übt sie auf euch offensichtlich keinen gesteigerten Reiz aus?

Wir wollen nicht den notwendigen Zeitaufwand aufbringen um ein für uns passendes Setup zu finden. Bei dem M4 brauchen wir keine extra Zeit aufzubringen, da wir den eh schon einsetzen und bei den beiden historischen Autos wollen Daniel und ich einfach Spaß haben und eine Berechtigung für unsere H-Schaltungen und Kupplungspedale in unseren Rigs haben. 😀
Patrick wird ab dem zweiten Lauf aber auch dem M4 in der Garage stehen lassen und den M240i fahren.

Noch ganz frisch sind eure Anmeldungen für die VRCO, welche sich vor allem durch abtriebs- und leistungsstarke Prototypen mit einer Fahrdynamik ähnlich einem Formel-Wagen vergleichbar der FAC auszeichnet. Was konkret hat den Ausschlag für die Ligateilnahme gegeben und warum nicht beispielsweise die GTC?

Daniel: „Da ich persönlich immer schon ein großer Fan von Autos mit viel Downforce war, war es für mich nur eine Frage der Zeit bis ich in virtualracing auch in solchen Ligen mithalten kann. Die GTC ist für mich einfach nichts da mir die GT3’s in Assetto Corsa nicht gut liegen.“


Patrick:“ Daniel und ich wollten immer schon Autos mit viel Abtrieb fahren, daher haben wir uns entschieden sowohl die VRCO als auch FAC in Angriff zu nehmen. Zudem wird Lukas auch ein wenig FAC Luft schnuppern.
Ziel ist es hier allerdings erst einmal Fuß zu fassen, lernen die Fahrzeuge zu verstehen und gute Basis Setup zu basteln, von denen weg nur noch Feinheiten für ein Event eingestellt werden müssen. Die Ergebnisse sind hier für die aktuell bereits laufenden Meisterschaften vorerst zweitrangig.“


Simracing ist noch immer ein Nischenhobby, erfreut sich aber immer größerer Bedeutung. Wie lange seid ihr schon aktiv dabei und wo seht ihr Simracing in 5 Jahren?

2018 hat es bei uns schön langsam begonnen. Recht schnell bekamen wir von außenstehenden und auch von großen Firmen (A1) viel Zuspruch und Unterstützung. Damit haben wir nicht gerechnet und uns sehr darüber gefreut. Ich kann leider in keine Glaskugel sehen, aber ich gehe davon aus, dass Simracing in einigen Jahren sehr professionalisiert werden könnte.
Wenn hier nicht jeder Veranstalter sein eigenes Süppchen kocht dann wird es auch nach Außen hin transparenter und interessanter für alle. Ich denke für Teams wäre es auch extrem wichtig vom Veranstalter Zuschauerzahlen vom Veranstalter zu bekommen. Dies würde das kooperieren mit Firmen um einiges erleichtern.


Teams aus dem realen Motorsport haben mittlerweile auch Gefallen am Simracing gefunden und immer mehr Teams haben auch virtuelle Ableger. Wie bewertet ihr diesen Trend und wäre das auch für euch ein reizvolles Ziel für ein reales Motorsportteam virtuell ins Lenkrad zu greifen?

Im Grunde ist mir egal welcher Teamname am Auto steht. Die Rahmenbedingungen für die Fahrer an sich sind mir viel wichtiger. Gerade bei Teamrennen darf nicht ein Außenstehender (Teammanager) plötzlich so etwas sagen wie „Person X wird durch die Person Y ersetzt, weil sie ist X Zehntel schneller pro Runde“, nur weil ein RedBull/Williams/etc. nicht mit einem zweiten Platz leben kann. solche Aussagen können extrem schnell gegenteilig wirken, wenn die Fahrer nicht gut zusammenarbeiten, weil man angst haben muss zu langsam zu werden im Vergleich zu den anderen.
Das schönste Ziel wäre natürlich das eigene Team, Private Esports SRT zu einem Konkurrenten der großen Teams zu machen.


Ein kleiner Teil der Simracer lebt sein Hobby nicht nur virtuell aus sondern hat auch schon Erfahrungen auf realen Rennstrecken gesammelt. Ist dies bei euch ebenso der Fall?

Ja, wir kommen und kennen uns alle vom Kartsport und nehmen immer noch gemeinsam bei einer österreichischen Teammeisterschaft teil. Daniel hat früher auch Erfahrungen auf dem Motocross gesammelt und unser jüngster Lukas hat sogar schon einen Formel Wagen auf einer Rennstrecke im Renntempo bewegt.

Zum Abschluss noch drei Fragen aus der Rubrik „A oder B“:

  1. Mozartkugeln oder Wiener Schnitzel

Martin: Wiener Schnitzel

Patrick:Wiener Schnitzel, Klassiker eben 😊

Daniel:Wiener Schnitzel

  1. Copa Cabana oder Tiroler Berge

Martin: Im Winter die Berge im Sommer Copa Cabana

Patrick:Copa Cabana

Daniel:Berge Berge Berge

  1. Autobahn in Deutschland oder Serpentinen in den Alpen

Martin: Autobahn in Deutschland (Aber nur die ohne Geschwindigkeitsbeschränkung) 😀

Patrick: Am besten Abgesperrte Serpentinen, wo man sich austoben kann 😀

Daniel: Serpentinen in den Alpen